Tibet zu besuchen war von Anfang an als eines der Highlights meiner Reise geplant. Tibet war mit ein Grund warum ich diese ganze Reise so kurzfristig angesetzt habe; nachdem die Zukunft von Tibet alles andere als klar vorhersehbar ist, wollte ich das Land lieber heute als morgen sehen. Wer weiß ob es morgen dort noch etwas zu sehen gibt? Den Chinesen sei dank.
Tibet wollte ich natürlich (wie alle anderen Länder auch) individuell bereisen, dh. ohne eine große Reisegruppe. Als ich Wien recherchiert habe, ist mir gesagt worden dass das de facto nur von Nepal aus möglich sei. Von China aus in Tibet einzureisen ginge nicht, da die Behörden dort bei allem was irgendwas mit Tibet zu tun hat ultra-pingelig seien; und man niemals die erforderlichen Genehmigungen bekäme. Das war dann schlussendlich auch der Grund dafür weswegen ich meine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn abgesagt, und direkt nach Nepal geflogen bin.
Vielen Dank auch, hier in Nepal bin ich dann draufgekommen dass das kompletter Blödsinn ist. (Und ich kann euch gar nicht sagen wie wütend ich deswegen bin.)
Natürlich wäre es möglich gewesen von Peking aus in Tibet einzureisen; tatsächlich hätte man dann sogar mehr Freiheiten gehabt als wenn man von Nepal aus im als Teil einer Reisegruppe einreist – so wie ich es dann schlussendlich tun musste.
Mein Tibet-Abenteuer sah dann folgendermaßen aus:
- Am 19. vom Hotel in Kathmandu abgeholt werden, und im Reisebus an die chinesische Grenze gefahren werden. Dort die Grenze passieren, und dann auf der tibetischen Seite weiter mit dem Reisebus.
- Die ganze Woche lang mit dem Reisebus quer durch Tibet schippern, und sich versch. Sachen/Orte ansehen.
- Am 23. am Abend schließlich in Lhasa ankommen, und sich dann noch zwei Tage lang die Stadt ansehen….
- …und am 26. in der Früh mit Air-China wieder nach Kathmandu zurückfliegen.
Meine Eindruck von der ganzen Reise: Okkupation/Besetzung ist wirklich das einzige Wort das auf die Zustände hier zutrifft. Anders kann man es echt nicht ausdrücken. In Lhasa begegnet man alle paar dutzend Meter einem Trupp aus chinesischen Polizisten und/oder Militärs; alle bewaffnet mit Schrotflinten oder Sturmgewehren und schusssicheren Westen. Die treten übrigens auch niemals einzeln auf, sondern immer nur im Sixpack (mindestens). Und das alles obwohl es eigentlich gar keine Veranlassung dazu gäbe; die Tibeter sind alle ganz gechillt. Keiner der irgendwie aufmuckt oder so. Also absolut nichts was diese massive Präsenz auch nur irgendwie rechtfertigen würde.
Die Tibeter selbst sind alle sehr freundlich. Die Nepali und Inder gehen einem oft am Arsch weil sie einem ständig anglotzen und nerven, aber die Tibeter beachten dich gar nicht weiter. Im positiven Sinne. Natürlich helfen sie dir weiter wenn du sie was fragst (oder es zumindest probierst), aber sie rücken dir nicht ständig auf die Pelle so wie die Inder/Nepali.
