Nachdem ich meinen Tibet-Trip in Pokhara unter Dach und Fach gebracht habe, galt es noch zwei Wochen bis dahin “tot zu schlagen”. Nachdem ich mich in Pokhara ohnehin genug ausgeruht habe, beschloss ich im folgenden wieder ein bisschen auf die Tube zu drücken…
Tansen (7. bis 10. Okt.)
Tansen ist eine kleine Stadt mitten im nirgendwo, die sich (recht erfolgreich) versucht als Touristenstadt zu etablieren. Trotzdem ist die Stadt aber nach wie vor ein kleines verschlafenes Nest… War ganz interessant, da es die erste derartige Stadt/Dorf war die ich in Nepal kennen gelernt habe. Das merkte man dann auch sehr schnell an den Englischkentnissen der Leute.
(Bisher war ich ja nur in der super-Touri-Hauptstadt Kathmandu, aber Touristentrek zum Annapurna Base Camp und in der zweitgrößsten-Stadt.)
Bin dann am Tag nach der Ankunft zu einer Wanderung nach Ranighat Durbar aufgebrochen. Das ist ein Palast den wenn ich mich richtig erinnere mal irgendein mächtiger Typ seiner Frau zu Ehren gebaut hat. Das übliche also. Interessant hauptsächlich deswegen, weil er quasi mitten im nirgendwo (8km entfernt von der nächsten Stadt) steht und ziemliches Indiana-Jones-Feeling aufkommt wenn man dort einreitet und durch die verfallenen Gemäuer marschiert. Leider stellte sich auch heraus, dass die Nepalis ein recht eigentümliches Verständnis von “Erhaltung von Kulturgut” haben: Aus einem verfallenen aber eindrucksvollen Palast renovierten sie ein Grell-Weiß und Babyblaues Kitsch-Schloß. Naja… im verfallenen Zustand war’s schöner.
Lumbini (10. & 11. Okt.)
Die nächste Stadt war Lumbini. Das ist der Geburtsort von Siddhartha Gautama, dem ersten Buddha. Die Stadt besteht quasi nur aus und wegen den dortigen Tempeln: Es gibt ein riesiges Tempelareal, und daran angeschlossen die Stadt die quasi nur aus einer Straße besteht. Da ich von Tempeln schon langsam genug habe hake ich die Stadt auf meiner Checkliste ab und ziehe weiter.
Interessant in Lumbini war das Museum. Nicht so sehr wegen der ausgestellten Stücke selbst, sondern eher wegen ihrem Zustand. Eindrucksvolles Gebäude, interessante Architektur, fast keine originalen Stücke sondern fast nur Kopien und Fotos, und diese halb von Motten zerfressen.
Sauraha / Chitwan National Park (12. bis 14. Oktober 2010)
Bin dann weiter nach Sauraha, im Chitwan National Park. Wollte eigentlich zuerst nach Devghat (mehr zu dieser Stadt später), habe dann jedoch gemerkt dass es dort überhaupt kein Guesthose/Hotel gibt. Musste schnell umdisponieren und bin also in den Chitwan National Park. Dort hat’s mir unerwartet gut gefallen: es war zwar mörder-touristisch, aber das stört mich eigentlich immer weniger. Habe das Gefühl genug von Nepal gesehen zu haben und genieße die Annehmlichkeiten der Touristen-Orte.
Habe am zweiten Tag an einem Dschungel-Package teilgenommen:
Elefantensafari durch den Dschungel (= zu viert + Fahrer auf dem Rücken eines Elefanten geritten.). Haben dabei eine Mutter-Nashorn samt Baby gesehen. Interessant war das Verhalten der Parkangestellten: Sobald das Nashorn gesehen wurde, wurde anscheined jedes Bewusstsein hinsichtlich nicht-stören-der-Tiere über Bord geworfen und alle sind dem Nashorn nach. 20 Elefanten preschen durch den Dschungel, walzen alles nieder, “schlagen” neue Schneisen durch den Wald und umstellen Muttertier+Jungtier so dass es nicht mehr fliehen kann. Währen die Fotokameras Gewehre gewesen, hätten sich diese Szenen genau so gut bei einer britschen Fuchsjagdt abspielen können.
Devghat (15. & 16. Oktober 2010)
Diese beiden Tage waren die Höhepunkte des DASAIN-Festes. Das ist irgend Hindu-Fest das eines wichtigsten überhaupt sein soll. …und dessen Hintergründe mich inzwischen genau so wenig interessieren wie jene der 500 anderen Hindu-Feste. Wollte meiner Ignoranz zum trotz das Fest trotzdem hautnah miterleben (habe die Chance ja vlt. nur einmal), und habe daher meinen Zeitplan so hingebogen dass ich an diesen Tagen in Devghat sein kann. Das ist eine Dörfchen das am Schnittpunkt zweier heiligen Flüsse liegt und deswegen auch so ein bisschen heilig ist. Jedenfalls kommen dort viele ältere alleinstehende Hindus hin, um ihre letzten Tage zu verbringen. Die Stimmung dort war sehr interessant: Sehr viele ältere Menschen (no na) die aber alle ganz gechillt sind. Spazieren den ganzen Tag umher, sitzen rum, musizieren in irgendwelchen Tempeln (dachte zuerst die Musik wäre von einem Tonbandgerät in endloschleife, fand erst später heraus dass die live war) und genießen ihre Zeit.
Hinsichtlich des erwähnten Hindu-Festes war ich jedoch ein wenig enttäuscht: Angeblich wird das Fest vielerorts zelebriert indem Massen an Ziegen/Hühner und Ochsen geopfert werden. In Devghat waren jedoch alle so friedfertig dass dort nichts und niemand geschlachtet wurde. Bin ja nicht unbedingt blutrünstig und so, und stehe auch nicht auf Tieropfer, aber wenn ich grad schon dort bin…?
Bin dort also den ganzen Tag rumspaziert / rumgesessen und habe mir von Einheimischen die kein Englisch können die dortige Kultur erklären und mich durchfüttern lassen.
Weitere Tage vor Tibet
Bin dann zurück nach Kathmandu um dort gebrieft zu werden wie ich mich in Tibet verhalten / nicht zu Verhalten habe und die Reise anzutreten.