Kategorie-Archiv:4. Indien

Mumbai

Mumbai war bisher zweifellos mein Indien-Highlight. Zumindest verglichen mit dem Varanasi geht’s hier um einiges gesitteter zu. Die Autos halten sich an ihre Straßenseite, die Rikscha-Fahrer nerven dich nicht ständig, man hat das Gefühl es gibt so etwas wie Verkehrsregeln an die sich die Leute halten, es liegt nicht so irre viel Müll herum… und und und.

Vor allem das Stadtbild hat mir sehr gefallen. Die Straßen sind teilweise wie Alleen angelegt (Bäume auf der Seite), und viele der Gebäude sind echt imposant. High Court oder Victoria Terminus Train Station zB, um nur zwei zu nennen. Es gibt sogar eine ganze Reihe von öffentlichen Parks!

Als ich mir mal die Stadt genauer angesehen habe, ist mir jedoch eines aufgefallen: Der Großteil jener Dinge die mir hier so gefallen, und die die Stadt so schön machen (Aleen/Parks/schöne Gebäude), gehen eigentlich auf die Briten zurück.

Die Tatsache dass die Briten Bombay damals (wie eigentlich ganz Indien) okkupiert haben ist einerseits natürlich moralisch/ethisch/whatever bedenklich, aber mal ganz ehrlich: wenn die Briten hier nicht gewesen wären, wäre die Stadt heute wahrscheinlich genauso ein Drecksloch wie Varanasi.

Agra und Pushkar (Rajasthan)

Nach Varansi bin ich weiter nach Agra. Zu sehen gibt’s dort eigentlich nur zwei Dinge: Das Taj Mahal natürlich (sehr beeindruckend!), und ein kleines etwa 40km entferntes Dörfchen namens “Fatehpur Sikri”. Dort hat vor ein paar hundert Jahren irgendein Maharadscha/König/whatever drei Paläste für seien drei Frauen gebaut; eine war hinduistin, eine muslimin und eine christin. Die Paläste waren vom architektonischen Standpunkt her sehr interessant.

Zu der Stadt in der ich als nächstes war, Pushkar, gibt’s eigentlich auch nicht wirklich zu sagen. Pushkar liegt in Rajasthan; und wie der Name vielleicht schon andeutet (klingt ein bisschen wie Afghanistan) ändert sich die Landschaft ein bisschen Richtung Arabien. Alles sieht so ein bisschen wüstenmäßig aus.

Wie gefühlsmäßig 80% aller indischen Städte hat auch diese Stadt etwas heiliges; in diesem Fall der See um den die Stadt herum gebaut wurde. Da ich jedoch heilige Stätten jeglicher Art echt nicht mehr sehen kann, verbrachte ich meine zwei Tage dort hauptsächlich im (sehr guten) nahegelegenen Restaurant und im Swimming Pool eines nahegelegenen Hotels.

Erste Tage in Indien: Varanasi

Nachdem ich am letztmöglichen Tag Nepal in Richtung Süden verlassen habe bin ich erstmal in Varanasi gelandet. Die Busfahrt dorthin war ein Abenteuer… Ich bin ja schon kaputte Busse aus Nepal gewohnt, aber der Bus nach Varanasi war dann doch wieder was ganz eigenes… Ich saß in der ersten Reihe des Busses und konnte die Straße sehen. Nicht durch die Windschutzscheibe; durch den Boden des Busses wohlgemerkt. Vor dem Platz an dem ich saß fehlte einfach etwa ein Quadratmeter Boden; ich konnte die ganze Zeit über der Vorderachse beim sich-lustig-im-Kreis-drehen zusehen.

Interessant wär’s geworden wenn der Bus eine Vollbremsung gemacht hätte. Nachdem ich den Rucksack unter meinen Beinen verstaut hatte damit ich zumindest eine halbwegs liegeähnliche Position einnehmen konnte; wäre ich im Falle einer Vollbremsung wahrscheinlich geradewegs vom Sitz, durch den (nicht vorhandenen) Boden auf die Straße geflutscht. Vor das Vorderrad wohlgemerkt.

Mein Eindruck von Varanasi selbst war eigentlich nicht viel besser. Die Leute gehen einem am Arsch wie sonst nirgends; es ist ultimativ dreckig, laut und überhaupt in jeder Hinsicht schrecklich.

Die Bekanntheit Varanasis hat hauptsächlich religiöse Gründe. Nachdem die Stadt am (heiligen Fluss) Ganghes liegt, entkommen all jene die dort bestattet werden dem ewigen Kreislauf von Leben-Tod-Wiedergeburt und kommen geradewegs in’s ?Nirvana?.

Aber auch vom religiösen Standpunkt her war ich ein wenig enttäuscht. Vielleicht hat mich ja mein erster Eindruck getäuscht, aber ich hatte das Gefühl dass die Brahmanen (Hindu-Priester, höchste Kaste im Hindu-Kastensystem) hauptsächlich versoffene Penner sind. Karies auf allen Zähnen, Mundgeruch und generell ein sehr ungepflegter Eindruck. Zu sehen wie sehr das (ganz und gar inhumane) Kastensystem nach wie vor in den Köpfen der Leute verankert zu sein scheint war auch etwas ernüchternd.

Naja, bin dann sobald wie möglich weiter Richtung Agra.